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Corona Virus Foto: Landkreis NWM

28. Februar 2021: Licht am Ende des Tunnels ------- Ein Kommentar von Gerd Matzke

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute ist für uns im Ortsverein Stepenitz-Maurine eine Premiere. Wir beginnen heute mit der Veröffentlichung eines „Kommentars der Woche“. Den schreiben in Zukunft unterschiedliche Mitglieder unseres Ortsvereins zu Themen, die ihnen wichtig sind. Ich fange heute damit an. Auf Rückmeldungen und weitere Anregungen freuen wir uns.
Corona: Ritt auf der Rasierklinge – aber Licht am Ende des Tunnels in Sicht.
Schon wieder Corona, es hängt uns aus den Ohren! So reagieren wir fast alle, denn in wenigen Tagen hat Corona bei uns seinen traurigen Jahrestag. Noch mehr nerven die vielen Einschränkungen, aber auch die Angst vor schwerer Erkrankung von uns oder unseren Lieben.
Viele sagen: Jetzt muss bald aber wieder alles öffnen. Sonst verlieren viele Unternehmen, vor allem aus der Gastronomie und der Beherbergungsbranche, viele Selbständige und Kulturschaffende ihre Existenzgrundlage. Und Kinder den Anschluss beim Lernen und beim Entwickeln sozialer Kompetenzen.
Andere sagen: Wenn wir jetzt zu schnell alles wieder aufmachen, ist die Gefahr groß, alles mühsam Erreichte schnell zu verspielen. Und dann in einen neuen, möglicherweise noch härteren Lockdown zu geraten, vor allem wegen der neuen Corona-Varianten.
Die Wahrheit ist: Beide haben in wichtigen Teilen recht. Es gibt nicht nur die eine Wahrheit. Politik muss – mit Unterstützung von Wissenschaft – in so einer Situation das „richtige Maß“ bestimmen, damit das Leben wieder zurück zur Normalität findet, ohne Rückfall in einen neuen Lockdown durch zu hohe Krankenzahlen.
Das ist mühsam, und sicher nicht mit marktschreierischen Parolen zu lösen. Vor allem müssen wir alle, wir, die Bevölkerung, dabei aktiv mitmachen. Dafür aber bedarf es Klarheit, ein klares Konzept. Einiges dazu liegt auf der Hand:
Die Zahl der coronabedingt Schwerstkranken und Toten ist in den Altersgruppen über 80 Jahren mit Abstand am höchsten, aber auch noch sehr hoch in den Altersgruppen über 70. Wenn wir die Infektionsrate zumindest so lange klein halten können, bis diese Gruppen geimpft sind (im März und April ?), retten wir vielen Menschen das Leben bzw. ersparen ihnen eine schwere Krankheit. Und entlasten die Krankenhäuser ganz erheblich.
Danach sind zwar immer noch viele nicht geimpft. Aber die Intensivstationen würden nicht mehr überlastet, wenn die Ansteckungsrate doch einmal aus dem Ruder laufen sollte. Und die Zahl der schwer Erkrankten würde auch in so einem Fall begrenzt sein. Das erlaubt sicher keinen verantwortungslosen Umgang mit der Pandemie ab Mai, aber wesentlich mehr Freiheiten und Möglichkeiten, zur Normalität zurückzukehren.
Bis dahin kann aber nicht nur die Infektionszahl maßgeblich dafür sein, wie viel Öffnung wieder möglich ist. Wichtig ist auch das schnelle Durchbrechen von Infektionsketten: Wer heute nichts von der Erkrankung spürt, läuft damit vielleicht 10 bis 12 Tage rum und steckt viele andere ungewollt an. Mit Schnelltests und Selbsttests alle 2-3 Tage kann so eine Infektionskette viel schneller durchbrochen werden. Die Zahl der versehentlich Infizierten würde sich exponentiell (!) verringern, selbst wenn der Test nicht alle Erkrankten erkennt.
Schnell- und Selbsttests sind außerdem eine Möglichkeit, sich zumindest für die nächsten 6 Stunden „freizutesten“, Konzerte, Restaurants, Sportveranstaltungen besuchen zu können oder aktiv mitzuwirken. Auch hier wird ein Schnelltest nie 100-prozentige Sicherheit bringen, aber viel zur Begrenzung von Infektionen beitragen können. Daher sollten die Selbsttests kostenlos sein.
Und dann brauchen wir für die Impfzentren viel Personal, aber auch viele mitimpfende Arztpraxen: Damit alle über 16-Jährigen bis Ende September zweimal geimpft werden können, müssten wir im Landkreis ab Mitte/Ende März 10.000 Impfungen pro Woche hinbekommen. Für stark Corona-Gefährdete unter 16 Jahren, auch die gibt es leider, muss ein Impfstoff oder eine Medizin mit eingeplant werden, sobald sie verfügbar ist. Das schaffen zwei Impfzentren alleine nicht! Da müssen auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mitmachen. Je mehr mitmachen, desto schneller kann Normalität zurückkehren!
Es gibt noch weitere Möglichkeiten, um schrittweise Öffnungen zu ermöglichen, ohne unvorsichtig zu werden. So, wie Rostock sie derzeit austestet. Es ist an der Zeit, das alles in einem transparenten Plan zusammenzufassen und dann gemeinsam anzugehen.
Denn es bleibt ein „Ritt auf der Rasierklinge“, gerade in Zeiten wieder leicht ansteigender Infektionsraten. Aber Licht am Ende des Tunnels ist in Sicht. Packen wir diese überaus wichtige Sache gemeinsam an!

28.02.2021/ GM

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