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8. März 2021: Denk positiv - bleib negativ von Hans Espenschied

Es gibt kaum einen anderen Satz, der Menschen so zuverlässig aggressiv macht wie dieser: „Denk doch mal positiv.“ "Die Kinder können immer noch nicht zur Schule?" "Denk doch mal positiv" " Im Homeoffice auf dem Schreibtisch stapelt sich die Arbeit? Daneben noch den Haushalt und die Kinder betreuen!" "Denk doch mal positiv!" "Die Pandemie-Einschränkungen gehen mir auf die Nerven?" "Denk doch mal positiv!"
Eigentlich braucht es gar keine Beispiele, der Satz nervt immer.
Für viele Menschen ist er ein Schlag ins Gesicht. Suggeriert er doch, dass es total easy ist, mal eben umzudenken – man muss es nur wollen. Alles eine Frage der Selbstbeherrschung und Disziplin. Schlimmer sind nur noch Poster mit Sinnsprüchen: 'Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.' 'Man sollte viel mehr Zeit mit dem Glücklichsein verbringen.' 'Wir müssen ja sowieso denken, warum dann nicht gleich positiv?'
Weil wir schon längst alle glücklich wären, wenn es so einfach wäre, verdammt!
Daß positives Denken einfach ist, hat allerdings auch nie jemand behauptet. Im Gegenteil, es ist harte Arbeit.
Gerade, wenn wir schon lange, jetzt schon über eine gefühlt ewig lange Zeit in negativen Gedankenschleifen unterwegs sind. Viele zurückliegende Monate.
Über ein Jahr 'plagen' wir uns jetzt schon mit 'COVID19' und den damit verbundenen Einschränkungen unserer Freiheit herum. Geschäfte: zu. Restaurants: geschlossen, Theater: Fehlanzeige. Kindergärten, Schulen: nur mit Einschränkungen.
Irgendwann denkt man nur noch: es reicht! Ich kann nicht mehr , und vielleicht auch, ich will nicht mehr. Man wird leichtsinnig und unvorsichtig, bringt damit sich, seine Angehörigen und seine Umgebung mit in Gefahr.
Man kann sich das vorstellen wie eine Strecke im Wald, auf der man jeden Tag joggen geht. Mit der Zeit tritt sich die weiche Erde fest, und man will dann auch mal anderes probieren. Und so geht es uns in diesen Zeiten der Einschränkungen doch auch.
Endlich mal wieder einen Kaffee trinken gehen, oder ein Bierchen mit seinen Kumpels, mal wieder schön Essen gehen, ins Theater oder zum Konzert , ins Kino gehen. Oder eben einfach mal einen Einkaufsbummel machen. Das einzige Einkaufserlebnis, das wir alle zur Zeit haben, ist doch das beim Lebensmitteldiscounter, oder?
Ein lapidar hingeworfenes „Denk doch mal positiv“ nutzt da auch nichts. Es hat in den meisten Fällen genau den gegenteiligen Effekt. Vielleicht triggert uns der Satz deshalb so, weil er wissenschaftliche Erkenntnisse auf ein Minimum herunterbricht, ohne gleichzeitig Hilfestellung zu leisten. Wie soll man auf einmal positiv denken, wenn man es nie gelernt hat?
Wenn man sich zum ersten Mal intensiv mit diesem Thema beschäftigt, geht es einem danach oft noch schlechter. Weil man seine Gedanken bis dahin als etwas betrachtet hatte, das zwangsläufig in seinem Kopf passiert und sich komplett der eigenen Kontrolle entzieht.
Und jetzt sollte man sie also auf einmal beeinflussen können? Am Ende ist man dann noch selbst daran schuld, dass es einem nicht gut geht und ging?
Das beschäftigt einen so lange, bis man versteht, dass all das Klagen und Jammern einen auch nicht weiterbringt. Im Gegenteil, es macht alles noch schlimmer.
Also, optimistisch in die Zukunft schauen und das Beste aus der jetzigen Situation machen! Raus an die frische Luft, wann immer es geht. Vielleicht mal wieder eine Fahrradtour machen, sich sportlich betätigen. Abstand halten zu seinen Mitmenschen, Maske tragen, wo immer es erforderlich ist, die angebotenen, und sicheren Schutzimpfungen wahrnehmen und sich nicht von 'Querdenkern' und irregeleiteten Impfgegnern 'kirre' machen lassen. Das ist das Eine.
Das Andere ist, vielleicht wieder einmal die Spielesammlung hervorholen und einfach mal wieder 'Mensch ärgere dich nicht' spielen, statt nur vor der Glotze oder am PC zu sitzen. Im Familienkreis wieder mehr miteinander reden und diskutieren, alte Hobbys wiederbeleben oder neue entdecken. All das wirkt positiv und läßt uns viele negative Gedanken vergessen und den den Griff bekommen.
Von dauerhafter Zufriedenheit sind wir alle im Moment noch viele Schritte entfernt, aber immerhin können wir mittlerweile den Weg dorthin sehen. Wir erkennen, dass Jammern und Klagen, und das ja teilweise auf höchstem Niveau, uns nicht weiterhilft. So hat diese 'Pandemie' auch ihre positiven Seiten. Sie läßt uns in den Familien wieder näher zusammenrücken, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen. Sie wird unsere Arbeitswelt, Gewohnheiten, auch Reisegewohnheiten verändern. Sie hat die Politik auf Mißstände aufmerksam gemacht, die es zu beseitigen gilt. Insofern hat diese Zeit auch etwas Gutes.
Bleiben wir also optimistisch und machen wir gemeinsam das Beste aus der jetzigen Situation!
Oder um es mit dem Sinnspruch auf einem Poster zu sagen, das ich neulich gesehen habe: Andere Wege haben auch schöne Steine.

08.03.2021/ HE.

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